Landesvertreter, Gefängnisinsassen und Zuschauer an einem Tag

Die Studienfahrt der Senftenberger Schüler nach Berlin
„Schüler setzen sich generell in die letzte Reihe, sei es im Unterricht, bei Vorträgen oder bei kulturellen Veranstaltungen.“ Dieses Vorurteil trifft auf die jungen Erwachsenen des Friedrich Engels Gymnasiums in Senftenberg nicht zu. Aus politischem Interesse und dank der Förderung des von Frau Sylvia Leisner (Sozialpädagogin- Stiftung SPI) ausgearbeitetem Konzepts: ,,Demokratie aktiv leben!“, besuchten der Grund- und Leistungskurs des Fachs Politische Bildung, unter der Leitung von Frau Petra Starke und in Begleitung von Herrn Wolfgang Schmidt, am 26. August unsere Hauptstadt Berlin. Auf dem Tagesplan standen der Bundesrat, der Bundestag, das Kanzleramt, die „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ und ein politisch-kritisches Kabarett in der „Distel“. 2 Schüler berichten:

7.30 Uhr Schulbeginn, nicht so für unsere PB-Kurse (30 Schüler + 2 Lehrer), für uns hieß es am Freitag zu dieser Zeit Abfahrt des Busses nach Berlin. Um 10.30 Uhr betrat unsere Gruppe den Bundesrat. Dort erhielten wir die Gelegenheit den modernisierten Plenarsaal zu besichtigen. Eine allgemeine Einführung zur Wirkungsweise dieses Bundesorgans war die Vorarbeit für ein Rollenspiel. Hier schlüpften wir in die Rollen von Landes- und Regierungsvertretern und diskutierten zum Thema: „Gesetzesentwurf der Bundesregierung zu einem bundesweiten Bildungssystem“. Unser Bundesrat entschied sich für diesen Gesetzesentwurf. Danach teilte sich unsere Gruppe auf. Der Leistungskurs besichtigte mit Frau Petra Starke und Herrn Wolfgang Schmidt das Kanzleramt und erhielt dabei Einblicke in die Sammlung der Kanzlerportraits und Geschenke.
Der Grundkurs hingegen fuhr in den Bundestag unter der Begleitung eines ehemaligen Schülers unseres Gymnasiums Herrn Andreas Pfeiffer. In der politischen Arena/Plenarsaal konnten wir einem Vortrag zu den Inhalten des Bundestages und auch dem Thema „Abgeordnete sind auch nur Menschen“ lauschen. So wurde z.B. versucht das negative Bild der Abgeordneten (nur Zeitung lesend, schlafend, telefonierend während der Sitzungen) zu bereinigen und Fragen zu beantworten. Später erhielten 15 Schülern die Möglichkeit an einem vertiefenden Gespräch mit Herrn Uwe Schüler, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter aus dem Abgeordneten Büro Berlin, teilzunehmen. Zu der angekündigten Begegnung mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Herrn Michael Stübgen, kam es aus terminlichen Gründen leider nicht. Stattdessen wurde uns kurzfristig der Wunsch erfüllt die Reichstagskuppel bis zur Spitze abzulaufen.
Ein Kontrast zum politischen Programm bildete der Besuch des ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen. Die düstere und bedrohliche Atmosphäre die von diesem Ort ausging, wurde von den Zeitzeugen Frau Monika Schneider, Herrn Mike Fröhnel und Herrn Jürgen Falke nähergebracht. Die ehemaligen Insassen schafften es durch ihre offene Art, auf beeindruckende und einzigartige Weise die Grausamkeiten dieses Gefängnisses zu vermitteln. Wir Schüler standen selber in winzigen Arrestzellen ohne Fenster, vor Folterinstrumenten (Chinesische Folter und Wasserfolter) und in einer Gummizelle, an deren Wänden die Botschaften der ehemaligen Gefangenen noch prangen. Der tägliche Kampf ums „einfach Mensch bleiben“, vermittelt durch das persönliche Gespräch aber auch durch Erzählungen von gegenwärtigen Begegnungen mit ihren ehemaligen Peinigern, die unbehelligt weiter leben durften, erschütterte uns zutiefst. Die Aussage „man verliert einfach alles und funktioniert einfach“, war der allgegenwärtige Begleiter dieser Grausamkeiten.
Die Fahrt zur Distel stellte einen abrupten Einschnitt zum vorherigen Programmpunkt da. Als positiv wurde es empfunden, das der Kabarettbesuch nicht sofort im Anschluss war, sondern wir eine Zeitspanne hatten, um unsere Eindrücke sacken zu lassen. Das Programm „Kampfzone Bundestag“ bildete einen gelungenen abschließenden Rahmen von unserem Tag. Geschafft aber zufrieden endete unsere Studienfahrt um 1 Uhr.
Kommentare weiterer Mitschülers:

  • ,,Es ist toll, dass wir die Gelegenheit hatten den Bundesrat und Bundestag zu besichtigen. Diesen Bundesorganen so nahe zu sein, war außergewöhnlich.“ (Martin Brunner)
  • ,,Ein emotionaler Höhepunkt war die Begegnung mit den ehemaligen Insassen.“ (Julia Kisela)
  • ,,Interessante, vielseitige Eindrücke prägen diesen ereignisreichen Tag in Berlin. So konnten viele endlich einen Blick hinter die Kulissen werfen, die wir nur aus dem Fernseher kennen.“ (Konrad Magirius)
  • ,,Ich bin ganz oft in Berlin und immer wieder von der Größe der Stadt erschlagen. Diesmal aber habe ich Berlin wieder ganz neu kennengelernt und besonders hat Hohenschönhausen Berlin für mich persönlich ein Stück ganz Still gemacht.“ (Jennifer Schauer)

 

 

Hier noch ein paar Eindrücke in Bildform: